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Gluszyca

Den Forscherkreisen geht ein Zeitungsbericht nicht mehr aus dem Sinn. Ein Bericht, der eine Anlage beschreibt, die heute nicht mehr existent sein soll. Am 27.10.1947 erschien in der polnischen Zeitung "Slowo Polskie" ein Bericht, der die Anlage beschreibt. Ein Bericht, der zeigt das die "Hauptanlage" bis 1947 offen war und existiert!

 

Hier die deutsche Übersetzung:

 

Eine unterirdische Stadt in Gluszyca.

Prominenz des Nazi-Regimes wollte dort Unterschlupf suchen.

In der nahen Stadt Gluszyca befindet sich ein Gebäudekomplex, über den verschiedene Geschichten im Umlauf sind. Ein Teil dieser Gebäude diente noch vor drei Jahren als Baracken für eine große Menge politischer Häftlinge, die hier unter Peitschen der SS-Leute am Bau eines der Hauptquartiere Hitlers arbeiteten. Haufen Ziegel, Sand, Hunderte von verschiedenartigen Maschinen, Kränen und Waggons der Schmalspurbahn zeugen am besten von der ungeheuren Größe des vorgesehenen Baues.

Es soll hier eine riesengroße unterirdische Stadt entstanden sein. Die Bauarbeiten begannen 1944. Einer der Zeugen -Planer des Bauprojektes dieser ungewöhnlichen Stadt Ing. Dolmuss,

wohnt zurzeit in Gluszyca. Er ist im Ministerium für den Wiederaufbau tätig, das von hier enorme Mengen von Baustoffen nehmen. Ing. Dolmuss ist von österreichischer Abstammung. Im Krieg lebte er in Frankreich, von wo er nach Gluszyca abberufen wurde. Von ihm erfahren wir sensationelle Einzelheiten, die den Berg betreffen, in dem sich die unterirdische Stadt befindet, die mit allerlei modernsten technischen Anlagen ausgestattet ist. Diese Stadt kann man aus vier verschiedenen Richtungen erreichen: von Gluszyca, Modrzewek, Chalupy und Walim aus. Aus der Richtung Modrzewek - wie Ing. Dolmuss erklärt - soll sich der Eingang in das Hauptquartier Hitlers, aus der Richtung Chalupy der Eingang für Goebbels und seinen Stab, aus der Richtung Walim der Eingang zum Stab der Wehrmacht befunden haben.

Allein die Streuung der Eingänge ermöglicht die Vorstellung der ungeheuren Größe der

unterirdische Stadt. Bisher wurde sie noch nicht ausreichend untersucht. Die Einwohner von Gluszyca unternehmen die Suche nach den dort angeblich versteckten Schätzen, aber bei ihren Wanderungen gelingt es ihnen lediglich den Haupttunnel zu erreichen. Die Seitengänge hat bisher noch niemand untersucht. Potentielle Schatzsucher werden durch gefährliche Bunker mit Maschinengewehrnestern und durch Gerüchte über die angebliche Verminung der Durchgänge abgeschreckt. Von Gluszyca aus besteht angeblich eine Verbindung zum Schloss Ksiaz. Wie es heißt, sei auch dort ein Bunker für Hitler in die Felsfundamente gebaut worden.

Das Rätsel der unterirdischen Stadt in Gluszyca soll möglichst schnell auf gelöst werden, solange die Zeugen und Erbauer dieses gigantischen Bunkers noch leben. Vielleicht lassen sich dort noch manche Beiträge zur Geschichte des II. Weltkrieges finden. Unweit von Walbrzych, in Richtung Klodzko, liegt der dreitausend Einwohner zählende Ort Gluszyca. Der Krieg hat diesen Ort nur gestreift, seine Barockgebäude, sowie die kleine, im gleichen Stil erbaute Kirche wurden vom Krieg unbeschädigt gelassen. Aber gerade diese kleine ruhige Stadt haben die Nazi (ihrer im abgelaufenen Krieg für eine wichtige Rolle vorgesehen. Einer der in der Nähe der Stadt gelegenen Berge, der einen Teil der Kette des Eulengebirges bildet, soll als Sitz des Führungsstabes gedient haben. Dies geschah Ende 1943, als die Rote Armee vor den Großen Bögen stand. Ostpreußen, wo sich Hitlers Hauptquartier befand, sollte bald zum Kampfgebiet werden. Deswegen wurde beschlossen, das Hauptquartier des Führers nach Niederschlesien zu verlegen, in die vom alten Fritz so geliebte Umgebung von Gluszyca.

Ende des frostigen Dezember 1943 wurde hier eine große Menschenmenge weißer Sklaven

zusammengetrieben, die die Besatzungsgebiete in so großem Maße lieferten - und es wurde angefangen, das neue Babylon zu bauen. 30 Tausend ungarische Juden arbeiteten am Bau von Wegen, die die Zufahrt zum Hügel ermöglicht haben sollen, in dem sich das Gehirn des Dritten Reiches befunden haben soll. Hier arbeiteten auch Polen, Russen, italienische Mineure und Ukrainer. Insgesamt waren über 50 Tausend Leute am gigantischen Bau beschäftigt, der hier entstanden sein soll.

Niemand wusste selbstverständlich, welchem Zweck die riesengroßen Bunker und die endlosen, die Berghängekreuz und quer durchschneidenden Tunnel gedient haben

sollen. Hunderte von Ingenieuren, die die Arbeiten leiteten, hatten auch keine Ahnung, was eigentlich gebaut wurde. Jeder von ihnen war nur ein Rädchen in der großen Maschine und hatte einen genau festgelegten Aufgabenbereich; es war dabei für jeden gefährlich, die Grenzen seines Aufgabenbereichs zu überschreiten. So arbeiteten die Einen am Bau eines neuen Bahnhofes, die Anderen an den Plänen für die Wege und wieder andere an der Pumpstation, deren Behälter40 Tausend Kubikmeter Wasserfassen kann. Die gesamten Arbeiten wurden von Berlin überwacht. Viele Geheimnisse, die die unterirdische Stadt betreffen, kannte der beeidigte Bauoberregierungsrat Ing. Mayer, der seinen ständigen Wohnsitz in Jed Una Zdroj, ehemals Bad Charlottenbrunn, hatte.

Auf die vernommenen Einzelheiten neugierig, beschließen wir, unter der Leitung des Ing.

Dolmuss, der einer der Erbauer der unterirdischen Stadt und zugleich auch Fachmann für die

modernen V-l und V-2 Waffen ist (Ing. Dolmuss war am Bau der Raketenabschussrampen zwischen Cherbourg und Cane beteiligt), die ober- und unterirdischen Bauten der unvollendeten Stadt zu besichtigen, die eine so wichtige Rolle im vergangenen Krieg gespielt haben soll, obwohl man sie umsonst au feiner Landkarte suchen würde.

Vom historischen Restaurant „Zum Hirschen ", in dem Friedrich der Große gern eingekehrt sein soll, und das in der ersten Hälfte des XVI ff. Jahrhundert erbaut wurde, fahren wir einen Feldweg in Richtung Nowa Ruda. Schon einen Kilometer weiter sieht man beiderseits des Weges die Spuren des begonnenen Baues. Hier liegen viele für Betonbauten angefertigte Eisenkonstruktionen, Dutzende von Schmalspurbahnwagen, irgendeine abgestellte Lokomotive herum. Auch ein riesengroßer Platz mit einer nicht fertig gestellten Betonbrücke fällt auf. Das Netz von Eisenbahnschienen mit fertig gestellten Stellwerken zeugt davon, dass sich hier ein Bahnhof der unterirdischen Stadt befunden haben muss. Die Arbeiten am Ausbau des Bahnhofs wurden durch das Ende des Krieges unterbrochen, das rettete aber nicht die 18 Tausend Kriegsgefangenen und Häftlinge, die hier ihr großes Massengrab gefunden haben. Ing. Dolmuss behauptet, dass 13 Tausend von ihnen hier umgekommen seien, und schiebt die ganze Schuld dafür auf die Verpflegungsverwalter, die die kleinen Lebensmittelrationen, die von Berlin eingeräumt wurden, rücksichtslos noch verminderten.

Zum Allerseelentag zünden die Einwohner von Gluszyca hunderte von Lichtem auf dem Massengrab des Nazismus an, um das Andenken der namenlosen Armee der Gefallenen zu ehren. Neben verrosteten Schienen (der Bahnhof ist stillgelegt) weidet das Vieh von Ansiedlern, die hierher von jenseits des Flusses Bug übergesiedelt sind. Zwischen den Stellwerken, die die Züge von Hitler, von Admiral Raeder, von Göring, Goebbels und vom Stab der Wehrmacht gelenkt haben sollen, spielen Dorfkinder ... den Krieg.

Auf der linken Seite des Weges erhebt sich ein steiler Berghang, mit Mischwald bewachsen. In diesem Abhang befindet sich der Eingang zum unterirdischen Sitz Hitlers. Ein sehr guter Weg steigt empor und führt direkt in den Wald. Vor drei fahren ist dieser Weg noch nicht vorhanden gewesen. Er wurde von ungarischen Juden gebaut, ebenso wie viele andere Wege, die die hiesigen Berghänge durchschneiden. Nach fünf Minuten Fahrt, in denen wir an den sich ständig überschneidenden Schienen der Schmalspurbahn und an Reihen von primitiv Zusammen geschlagenen Baracken für Kriegsgefangene vorbeigefahren waren, halten wir vor einem riesengroßen Platz. Der Berghang fällt zu diesem Platz fast senkrecht ab. Riesengroße Felssteine über dem Platz sehen so aus, als ob sie jeden Augenblick mit einem Getöse herunterrollen könnten. Der ausgedehnte Platz ist mit Haufen von verschiedenartigen Steinen bedeckt, zwischen denen silbern glänzende Steine mit hohem Glimmergehalt auffallen. Sie zeugen davon, dass die hiesige Erde an Bodenschätzen reich ist. Am Fuße des senkrechten Berghangs, auf dem Nadelbäume rauschen, befindet sich der drei Meter hohe Eingang zum Hauptquartier Hitlers...

Unser Korrespondent beschloss, die geheimnisvolle unterirdische Stadt in Gluszyca zu besichtigen. Zusammen mit seinem Führer, Ing. Dolmuss - einer des Befehls ausführenden des Stabes des Dritten Reiches und zugleich der Erbauer des Verschiebebahnhofs in Gluszyca, erreichte er den Eingang, der zum Hauptquartier Hitlers führt. Schon beim Eingang sind eiserne, in den Fels eingeschlagene Keile sichtbar. Wie uns Ing. Dolmuss erklärt, sollte hier eine Sprengladung angelegt werden, die das Geheimnis der endlosen Gänge und der düsteren Säle der unterirdischen Stadt begraben hätte. Gewaltige Eichenpfähle, die die Decken stützen, scheinen solide zu sein. Das System des Unterfangens der Gänge gleicht dem System, das in Kohlenbergwerken angewandt wird - mit dem Unterschied, dass man die hiesigen Gänge später mit Beton zu befestigen beabsichtigte, so wie es mit dem Sitz Görings gemacht wurde, der sich auch in der unterirdischen Stadt befand. Während wir uns in die Tiefe des Ganges fortbewegen, wird es immer dunkler; das kleine Rechteck des Lichtes hinter uns wird immer unscheinbarer. Dieser Gang, von dem erste Seitengänge abzweigen, in denen sich Säle und Räume des Stabes Hitlers befanden, ist 3 km lang. Wir wissen nicht mehr, wie lange wir schon gehen. Das Rechteck des Lichtes ist schon seit langem hinter uns verschwunden und nur das sehr wache Flämmchen der Karbidlampe hellt noch die Dunkelheit auf. Der Gang fällt plötzlich ab und biegt unerwartet nach rechts ab. An den Hauptgang stößt ein kleiner Tunnel. Ing. Dolmuss führt uns in den Tunnel hinein, und ungefähr 200 Meter weiter treten wir in einen großen Saal. Es soll angeblich der Sitzungssaal gewesen sein. Wenn die Beleuchtung in diesem Saal installiert wäre, wenn er mit Zentralheizung geheizt wäre und wenn er eine elegantere Möblierung hätte, würde er sicher ganz anders aussehen. Jetzt herrscht hier Stille, Kälte und Dunkelheit. Vom Sitzungsraum zweigen drei Gänge ab. Ohne einen Führer könnte man sich hier leicht verlaufen. Ing. Dolmuss empfiehlt uns die Besichtigung eines Ganges, in dem vor 14 Tagen sechs feine Dieselmotoren gefunden wurden.

Die umfangreichen Gänge der unterirdischen Stadt, voller Stille und Kälte, halten wahrscheinlich noch manche Geheimnisse in ihrem Inneren verborgen. Während der letzten Monate des Bestehens des Dritten Reiches war nämlich das Chaos kennzeichnend. Es wurde unter anderem beschlossen, im Labyrinth der Gänge der unterirdischen Stadt eine große Menge Maschinen zu verbergen, um sie zum passenden Zeitpunkt in die Luft zu sprengen. Im letzten Moment wurde der Befehl zurückgenommen, es wurde damals beschlossen, die Maschinen doch zu retten.

Auf drei Bahnhöfen in Gluszyca wurden täglich 70 Eisenbahnwaggons voller Maschinen verschiedenster Art beladen. Man vermochte jedoch nicht, alles auszufahren, viele Maschinen sind an ihrem Platz geblieben. Viele davon fanden schon ihre Anwendung in Polen - ein Teil (so wie diese sechs Dieselmotoren, die erst in den letzten Tagengefunden wurden) wartet noch auf seinen Entdecker.

Wir sind tief ins Labyrinth der Gänge eingedrungen. In der Zwischenzeit war, wie es sich erwies, das Bewetterungssystem in den Gängen zerstört worden, der Luftmangel macht nicht nur uns das Atmen schwierig, sondern löscht auch das Flämmchen unserer Karbidlampe und plötzlich sind wir von undurchdringlicher Dunkelheit umgeben...

Mangels elektrischer Scheinwerfer sind wir gezwungen, uns aus diesem Teil des unterirdischen Baues zurück zu ziehen. In dem wir uns an den Händen halten, gehen wir in Richtung Ausgang, wie unsinnig. Dolmuss versichert. Uns kommt es so vor, als gingen wir immer tiefer in den Untergrund und nicht in Richtung Ausgang. Die wieder angezündete Karbidlampe beleuchtet schwach die Felsen, die in diesem Teil des Ganges nicht abgestützt sind. Der Gang ist ziemlich breit. Es lässt sich aber nur in der Mitte des Ganges gehen; am Rand ist die Decke zu niedrig.

Ungleich ist der Grad der Vollendung der einzelnen Tunnelabschnitte. In einem der Gänge bleiben wir an einer eisernen Tür stehen. Sie schützt den Zutritt zum Nebengang, der zu Hitlers Privatzimmern geführt haben soll. Wir versuchen die eiserne Tür zu heben - sie bewegt sich überhaupt nicht. Dolmuss sagt, dies sei eine Sisyphusarbeit aber wenn wir glaubten, dort befänden sich Schätze, dann wäre er bereit, uns dorthin von einem anderen Ende des Ganges zu führen.

Ehrlich gesagt haben wir das alles schon satt und geben auf, den Gang weiter zu besichtigen.

Dolmuss behauptet, in den unterirdischen Gängen hätten ausschließlich freiwillige Arbeiter -

Juden, denen dafür Extrarationen an Lebensmitteln zugeteilt worden seien - und italienische Mineure gearbeitet. Die Arbeit soll schwer und gefährlich gewesen sein. Tausende von Menschen sollen unter herabgestürzten Felsmassen umgekommen sein - deswegen habe es nicht viele Freiwillige gegeben. Skeptisch vernehmen wir die Worte von Dolmuss - wir wissen doch, auf welche Weise die Deutschen die „Freiwilligen" geworben haben. Es interessiert uns in diesem Augenblick nur die Tatsache, ob Ing. Dolmuss dies aus böser Absicht oder - als Vertreter der Wissenschaft unbewusst sagt.

Wirklich erleichtert gehen wir in das Tageslicht hinaus. Die schwache Oktobersonne blendet uns nach der Dunkelheit der Gänge. Wir fahren weiter. Nachdem wir einige leichte Serpentinen gefahren sind, finden wir einen anderen Eingang in das Innere der Erde, der dem ersten Eingang ähnlich ist. Der soll ausschließlich Hitler zur Verfügung gestanden haben. Wir brauchen hier nicht hinunter zugehen. Jetzt interessieren uns die Lager für Baustoffe, große Bunker, Stapel eiserner Konstruktionen, Betonmischmaschinen, Bagger, gewaltige Bahnquerbauten - und halb fertig gestellte Arbeiten beim Bau von Büroräumen. Unweit des Berggipfels hat sich ein Siedler aus Buczaz niedergelassen. Seine Kinder schauen interessiert auf das Auto, wir sind für sie die ersten Gäste aus der zivilisierten Welt seit vielen Monaten.

Im Dickicht des merkwürdig gelben Grases verlaufen Stahlstäbe parallel zu den Fichten zum Gipfel. Es stehen hier eine unzählige Menge an Stahlstäben. Sie wachsen wie Bäume vom Betonfundament der Bunker, die auf dem Hagelgipfel erbaut wurden. Darunter befindet sich ein Eintritt, zu dem ein schmaler Steg führt. Das Dach sollte mit Erde bedeckt werden, um darauf Bäume zu pflanzen. Im Bereich der Bauarbeiten ist jeder Baum mit hölzernen Beschlägen vor Beschädigung geschützt.

Mangels elektrischer Scheinwerfer sind wir gezwungen, uns aus diesem Teil des

unterirdischen Baues zurück zu ziehen. Indem wir uns an den Händen halten, gehen wir in Richtung Ausgang- wie uns Ing. Dolmuss versichert. Uns kommt es so vor, als gingen wir immer tiefer in den Untergrund und nicht in Richtung Ausgang. Die wieder angezündete Karbidlampe beleuchtet schwach die Felsen, die in diesem Teil des Ganges nicht abgestützt sind. Der Gang ist ziemlich breit. Es lässt sich aber nur in der Mitte des Ganges gehen; am Rand ist die Decke zu niedrig. Ungleich ist der Grad der Vollendung der einzelnen Tunnelabschnitte. In einem der Gänge bleiben wir an einereisernen Türstehen. Sie schützt den Zutritt zum Nebengang, der zu Hitlers Privatzimmern geführt haben soll. Wir versuchen die eiserne Tür zu heben - sie bewegt sich überhaupt nicht. Dolmuss sagt, dies sei eine Sisyphusarbeit - aber wenn wir glaubten, dort befänden sich Schätze, dann wäre er bereit, uns dorthin von einem anderen Ende des Ganges zu führen. Ehrlich gesagt haben wir das alles schon satt und geben auf, den Gang weiter zu besichtigen. Dolmuss behauptet, in den unterirdischen Gängen hätten ausschließlich freiwillige Arbeiter Juden, denen dafür Extrarationen an Lebensmitteln zugeteilt worden seien - und italienische Mineure gearbeitet. Die Arbeit soll schwer und gefährlich gewesen sein. Tausende von Menschen sollen unter herabgestürzten Felsmassen umgekommen sein - deswegen habe es nicht viele Freiwillige gegeben. Skeptisch vernehmen wir die Worte von Dolmuss - wir wissen doch, aufweiche Weise die Deutschen die „Freiwilligen" geworben haben. Es interessiert uns in diesem Augenblick nur die Tatsache, ob Ing. Dolmuss dies aus böser Absicht oder – als Vertreter der Wissenschaft- unbewusst sagt.

Das Innere des Bunkers ist nicht fertig gestellt. Es sollen hier Büroräume für den Stab von Hitler gebaut worden sein. Einige Meter darunter befinden sich die Schienen einer Schmalspurbahn. Die in Reihen stehenden Baracken werden morsch, da sie nicht gepflegt werden. Ebenso verderben hier enorme Mengen an Zement. An diesem Platz sind auch noch 10 Millionen Papiersäcke Zement zu je 50 kg geblieben. Diese Zahl zeugt am besten von dem enormen Umfang des geplanten Baues. Das ist aber noch nicht alles. Wir erfahren, dass schon 100 Waggons zu je 15 Tonnen Zement von hier weg geschafft worden seien. Der Zement, der hier übrig geblieben ist, ist schon zum großen Teil verdorben, weil die Dächer der Baracken zerstört sind und es seitdem auf den Zement geregnet hat. Ing. Dolmuss könnte zu diesem Thema noch vieles sagen, aber aus unbekannten Gründen enthält er sich weiterer Erklärungen ...

Tausende versteinerte Zementsäcke reagieren nicht auf die Schläge einer zufällig gefundenen Spitzhacke, es lässt sich nur bis zur oberen Schicht der Säcke vordringen. Liegt darunter vielleicht Zement, der noch brauchbar wäre? Das Gelände erweckt den Anschein, als wenn es von menschlicher Hand nie berührt worden wäre. Hinter uns lassen wir einen Wald aus Stahlstäben. Obwohl es Herbst ist, ist das Gras hoch und man weiß nicht, was möglicherweise darin verborgen ist. Das Herumgehen auf diesem Gelände ist nicht ohne ein gewisses Risiko, deswegen fühlen wir uns unbehaglich. Die Weichen der Bahn sind so verwachsen, dass sie sich nur schwer aufdecken lassen. Während wir den Hang herabsteigen, stoßen wir ohne Unterlass auf Schienen, die in regelmäßigen Abständen, wie Treppenstufen, angelegt wurden.

Vor uns befindet sich ein unfertiges Gebäude. Es ist schwer zu erkennen, welchem Zweck es gedient haben soll. Ein Teil von Gerüsten ist eingestürzt und bedeckt ein großes, mit Beton befestigtes Loch. Dolmuss erklärt, hier sei ein Aufzug gewesen. Ein 100 Meter tiefer Schacht soll schon fertig gewesen sein. Man hatte schon begonnen, eine Umbauung für den Aufzug zu errichten, aber die schnelle Annäherung sowjetischer Truppen verhinderte die Vollendung der Bauarbeiten. Auf dem Areal des Berges gibt es mehrere derartige Öffnungen. Mit den Aufzügen soll man bis zu dem Niveau hinuntergefahren sein, auf dem sich die Büros befunden haben sollen. Etwas weiter erhebt sich ein ziemlich großer Haufen von aufgefahrenem Schotter: 40 000 Kubikmeter! Eine Kleinigkeit... Direkt dahinter befinden sich Mauerzüge, teilweise verglast - Hitlers Orangerien! Der Herbstwind fegt jetzt darüber. So ist die deutsche Pedanterie - in solchen Zeiten die luxuriösen Orangerien mithöchstem Krafteinsatz von Tausenden Menschen zu bauen.

Bei solchen Terrainverhältnissen wie hier war das überdies heller Wahnsinn.

Dünne Drähte mit darauf angereihten Kunstblättern tarnen hervorragend den auf der Erde liegenden Eisenbeton. Auf dem Gelände, das wir besichtigen und das sich auf der Länge von fast 30 km erstreckt, sind 200 Tonnen Armierungseisen vorhanden. Das Eisen, das wir sehen, ist nur ein Teil der Baustoffe, die zum Bau der unterirdischen Stadt nötig waren, dem Bau, der „Adolfs Aktion" genannt wurde. 300 Tonnen Eisen fanden schon ihre richtige Anwendung. Das Material wurde nämlich nach Warszawa transportiert. Wir hoffen, dass auch die übrig gebliebenen 200 Tonnen richtig angewendet werden. Jeder Schritt bringt uns neue Entdeckungen. Bahnquerbauten, an denen wir gerade vorbeigehen, sind 17 Meter lang, 4,50 m hoch und 3 m breit, wiegen 3,5 Tonnen; sie könnten beim Bau von Brücken in vielen Orten in Niederschlesien, sowie im ganzen Landnützen. Zurzeit liegen sie ungenützt und werden hier wahrscheinlich auch noch im Winter um die Wende der Jahre 1947 bis 1948 liegen, wenn sich weiter niemand da für interessieren wird.

In der Zwischenzeit wollen wir den unterirdischen Bau weiter besichtigen. Welch interessante Dinge befinden sich noch darin? Die Oktobersonne neigt sich sanft der tschechischen Grenze zu, die 6 km von hier entfernt ist. Ein kalter, böiger Wind drängt zur Rückkehr, es gab aber doch noch viel zu sehen. Vor uns befindet sich ein flaches, mit Gras bewachsenes Feld. Es wäre für einen Flugplatz sehr gut geeignet. Dolmuss, nach dieser Sache gefragt, schweigt am Anfang, später gibt er ungern zu, dass hier tatsächlich ein kleiner Feld Flugplatz gewesen sein soll.

Hier seien Sonderboten (mit denen er, wie er sofort betont, nichts zu tun gehabt habe) mit Instruktionen aus Berlin gelandet. Auf Abhängen des Hügels, unweit vom Gipfel, sehen wir noch zwei Eingänge, die dem schon entdeckten Eingang zum Quartier Hitlers ähnlich sind. Es erweist sich schließlich, dass zu den Apartments des Führers des Dritten Reiches zwei unterirdische und drei Eingänge von der Bergoberfläche führten, von wo aus man in speziellen Aufzügen heruntergefahren werden musste. Zweieinhalb fahre nach der Einstellung der Bauarbeiten ist es schwierig, diese zu erkennen. Die Eingänge vom Berggipfel sind mit Brettern zugedeckt. Die Sonne neigt sich immer mehr dem Westen zu. Es ist schwierig, während eines Tages alles zu sehen und zu untersuchen. Wir sind uns bewusst, dass das, was wir bisher besichtigt haben, nur einen sehrgeringen Teil des unterirdischen Riesen bildet.

Wir beschließen aber noch den Sitz des Marschalls des Dritten Reichs - Göring - zu besuchen.

Dorthin führen Serpentinenwege, die die Berghänge umgeben. Hitlers Sitz ist von Görings, Residenz" 5 km entfernt. Der Weg führt durch den Wald, in dem man ab und zu zerstörte Baracken erblickt. Dies sind keine Standardbaracken, wie die in den Konzentrationslagern. Jede von ihnen hat ihren eigenen Stil. Sofort kann man z.B. die Baracken erkennen, in denen italienische Mineure gewohnt haben.

Im selben Augenblick taucht vor uns aus dem Dickicht des Waldes ein schwarzes, aus Brettern zusammengeschlagenes Gebäude auf, auf dessen Hintergrund sich ein grün-weißes Kreuz abhebt. Ein Krankenhaus. Es unterscheidet sich in nichts von den anderen Baracken, mit dem einzigen Unterschied vielleicht, dass hier in den tragischen Kriegsjahren mehr Leute als anderswo aus dem Leben geschieden sind.

Bald sind wir schon in einem der größten Sitze der unterirdischen Stadt - im ehemaligen Sitz Görings. Zu dem Sitz führen vier Eingänge, die in den Felsen am Fuß des Berges getrieben worden sind, zudem weitere sechs Eingänge an der Bergoberfläche. Mit dem Sitz Hitlers ist dieser Bereich durch einen unterirdischen Gang verbunden. In den Baracken auf dem Flügellagen noch im vergangenen Jahr fertig gestellte Zentralheizungssysteme- von hieraus Wurden sie nach Jelenia Gora abtransportiert. Ferner befinden sich noch zweitausend Waggons Ziegel, die noch vor dem Winter irgendwohin, beispielsweise in die nahe zerstörte Stadt Wroclaw abtransportiert werden sollen. Es wäre sinnvoll, sich auch um die 30 hier befindlichen Bagger zu kümmern.

Eine unterirdische Atomstadt? Unten erkennt man Bahnschienen, die in Form von schönen Serpentinen emporsteigen, über die aus großen Querbalken primitiv gebauten Brücken geschlagen sind. Es ist inzwischen schon spät geworden, aber Ing. Dolmuss überredet uns noch zur Besichtigung des interessantesten Teiles des unterirdischen Objektes, und zwar des Sitzes des Propagandachefs - Goebbels. Dieser Sitz - der kleinste von allen - ist deswegen so interessant, da erschon zu 70 Prozent vollendet ist. Er befindet sich zwischen Walim und Gorki.

Um diesen Sitz zu erreichen, muss man wegen des Gebirgscharakters des Terrains mindestens 20 Wegminuten zurücklegen.

In der Zwischenzeit wird Ing. Dolmuss langsam redsam und fängt an, sehr interessante Geschichten über ehemalige Einwohner von Gluszyca zu erzählen. Unter ihnen liefen ähnliche Versionen über die angeblich im Eulengebirge gebaute unterirdische Atomstadt um.

Obwohl die Deutschen in den letzten Kriegsjahren aufgrund von Misserfolgen an der Front entmutigt waren, verloren sie trotzdem nicht den Glauben an den endgültigen Sieg. Es entstand unter ihnen ein neuer Mythos über eine neue Waffe, mit der der „Führer" den Feind hatte überraschen und vernichten wollen. Man sprach im Allgemeinen von bakteriologischen und Atom-Waffen. Die Einwohner von Gluszyca sahen die schnell fortschreitenden Bauarbeiten an der gigantischen unterirdischen Stadt und flüsterten über den Bau von „Atomwerken ", die hier errichtet werden sollten.

Die Stadt Gluszyca besteht aus drei Stadtteilen, die durch eine Landstraße miteinander verbunden sind, die von Walbrzych in Richtung Klodzko läuft. Es gibt also Gluszyca Gorna, Gluszyca Srodkowa und Gluszyca Dolna. Auf den beiden Seiten der Landstraße liegen große Baumwollindustriebetriebe, die im Krieg die meisten Einwohner der drei Teile der Stadt Gluszyca beschäftigt haben. Das Leben dieser Leute spielte sich zwischen der Arbeit in der Fabrik, dem Zuhause, dem lokalen Jägerclub und dem Buch  ,,Mein Kampf " ab. Mit den anfänglichen Erfolgen wuchs der Hochmut der „demütigen Jäger" aus Gluszyca. Anfang 1943 jedoch traf der Blitz aus heiterem Himmel die damaligen Bürger von Gluszyca. Die großen Baumwollindustriebetriebe - die Grundlage ihrer Existenz - wurden der Firma Krupp übergeben. 50 000 Spindeln mussten eingestellt werden. Die Bevölkerung der drei Stadtteile verlor ihre Arbeitsplätze, die Organisation der Waffenfabrik lief jedoch nicht so leicht. Die Deutschen aus Gluszyca sahen sich Hunderten verschiedenartiger Maschinen gegen übergestellt, die hier aus dem Gebiet des gesamten Dritten Reiches, hauptsächlich aber aus der Umgebung von Mauthausen zusammengezogen wurden.

Ingenieur Dolmuss weiß viel von diesen Maschinen, aber er schweigt. Er erwähnt dagegen 70 Bahnwaggons, die hunderte verschiedenartiger Maschinen jeden Tag hierher gebracht haben.

Eines steht fest: sie waren nicht für die im Eulengebirge entstehende Stadt der Nazis nötig. Mein Gefährte stellt plötzlich die Frage: Waren die Gerüchte der Einwohner über die unterirdische Atomstadt, die hier hätte entstehen sollen, wahr? Das rote Gesicht von Dolmuss wird teilweise blass, er schließt die stahlblauen Augen halb. Er greift sich nervös an das Gesicht, als ob er unsere Frage von sich weisen wolle, erst nach einer Weile fängt er an zu sprechen.

„Nein, das ist nicht wahr", - er überlegt jedes Wortgenau. „Die Pläne der unterirdischen Stadt habe ich im Hauptamt der Organisation Todt in Berlin gesehen, ich kann es beschwören. "Wir bezweifeln in diesem Augenblick die Glaubwürdigkeit von Dolmuss nicht, wir bezweifeln aber die Glaubwürdigkeit der Pläne der doppelten „A " - was für,, Adolf s Aktion "steht. Die Pläne müssen doppelt gewesen sein - die einen für solche Leute wie Dolmuss, sie könnten das Konzept der unterirdischen Stadt für die Prominenz der Nazis dargestellt haben, um das Riesenausmaß der Bauarbeiten zu vertuschen. Die anderen für zwei oder drei vertraute Personen, die vielleicht die unterirdische Atomstadt dargestellt haben könnten.

Wir nähern uns dem ehemaligen Sitz von Goebbels. Auch hier befindet sich ein System von Sälen, Gängen und kleineren Räumen. Der Unterschied beruht nur darauf, dass die Gänge hier teilweise ausgemauert sind. In den weiteren Stockwerken des unterirdischen Baues kann man heute noch installierte Kontakte finden. In einem der angeblichen Räume von Goebbels befand sich wahrscheinlich eine Telefonzentrale. Spezielle Abhörgeräte hätten das Licht im Falle eines Luftangriffes automatisch ausgeschaltet.

Als Dolmuss Stromleitungen bemerkt, findet er das Thema für interessante Mitteilungen. Dieser kleine Sitz war mit 250 000 m Stromleitungen, von 60mm bis 12 mm Umfang ausgerüstet. Ein Teil davon, wie auch große Transformatoren, wurden später im Kraftwerk in Walbrzych installiert. Dolmuss erklärt, dass nach Gluszyca ausschließlich die modernsten elektrischen Installationen gebracht worden seien, und dass er solche Anlagen früher in seinem Leben Nie gesehen habe, obwohl er von Beruf Ingenieur sei. Wir fahren in die engen Straßen von Walim hinein. Hinter uns lassen wir das Eulengebirge mit sein ein noch nicht gelösten Rätsel. Wir fragen Ing. Dolmuss, zu welchen Zwecken 100 Ingenieure und 50 000 Arbeiter vorgesehen waren. Er erläutert uns: Im Falle eines Atomkrieges wäre diese Anzahl von Ingenieuren und Arbeitern nur eine Kleinigkeit gewesen. Auf unsere Frage, was er über die Atomenergie wisse, antwortete er, dass er sich für Atome schon seit langem interessiere und viel von ihrer Anwendung wisse...

Plötzlich verstummt er, und wir wiederholen die Fragen nicht mehr.

 

Quelle: 1945 - Thüringens Manhattan Project (Nazi Atombomben Bunker Jonastal H.Fäth 2000)

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